?️ Budget-Hotel Avid soll den Economy-Markt aufmischen

„Wie das neuartige Economy-Hotel Avid es schaffen will, mit nur 14 Mitarbeitern einen 140-Zimmer-Betrieb zu führen, und was es mit Dual-Branding auf sich hat.“
Martin Bowen ist Head of Development der IHG, einer der größten Hotelgruppen der Welt, für den deutschsprachigen Raum. In seiner Position als Entwicklungschef ist er schon für das rapide Wachstum der Marke „Holiday Inn Express“ verantwortlich gewesen und kümmert sich nun um das neuste Konzept des britischen Konzerns.
Mit „Avid“ lanciert die InterContinental-Gruppe ein neues Konzept für Budget-Hotels, das den sprießenden Ketten Motel One und Ibis Budget Konkurrenz machen soll. Verdichtet lautet das Motto: Der Gast bezahlt nur für das, was er in Anspruch nimmt. Weniger Fläche pro Zimmer, kein üppiges Frühstücksbuffet oder Zimmerservice – die Economy-Hotels sollen auf die wesentlichen Bedürfnisse von Tagesgästen reduziert werden.
Die neue Marke soll über Franchisepartner etabliert werden. Bowen rechnet in den kommenden Jahren mit zahlreichen Neueröffnungen. Eine Neuerung könnte dabei zur Regel werden: Dual-Branding, Zwei Hotelkonzepte auf einem Grundstück, um große Innenstadt-Standorte möglichst effizient zu nutzen.
Marken-Start 2021 in Deutschland.
Wenn Martin Bowen über Avid spricht, gerät er leicht ins Schwärmen. Sein „neustes Baby“ nennt er die Marke für Budget-Hotels, die im Jahr 2021 in Deutschland an den Start gehen soll. Im hessischen Kelsterbach, in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Flughafen, entsteht zusammen mit dem Franchisenehmer Sirius Hospitality GmbH das erste Haus nach dem neuen Konzept.
In den USA hat die IHG-Gruppe bereits die ersten Häuser eröffnet. In Kanada und Mexiko sollen weitere dazukommen. Insgesamt sind jenseits des Atlantiks bereits 200 Economy Hotels unter dem Markennamen Avid geplant. Im Kampf um Marktanteile im unteren Preissegment will der Konzern so aufholen, erklärt Bowen.
Budget-Hotels decken eigenes Segment ab.
In Deutschland rechnet der Marken-Entwickler mit einem enormen Zuwachspotential für Budget-Hotels. „Dieser Bereich ist in Deutschland noch nicht so stark besetzt“, sagt er. Deshalb solle mit Avid ein „neues, innovatives Produkt platziert werden.“
Im Durchschnitt sollen die Kosten des Hotelkonzepts um 15 bis 20 Prozent unter dem Niveau der Marke „Holiday Inn Express“ liegen, dem bisher günstigsten Angebot der Gruppe. Bowen will Einsparungen durch einen hohen Standardisierungsgrad innerhalb des Hotels und möglichst günstige Baukosten erreichen.
Budget-Hotel Avid, IHG
Der Gast bezahlt nur, was er nutzt.
Im Mittelpunkt soll dabei eine Version des no-frills-Konzepts stehen, wie sie etwa von Fluggesellschaften und Discount-Supermärkten angewandt wird. Das heißt: Der Gast bezahlt nur das, was er nutzt.
Konferenzräume, Schwimmbäder oder Wellness-Bereiche soll es in den Economy-Hotels deshalb nicht geben. Das spart Kosten, und zwar sowohl beim Bau als auch im späteren Betrieb. Außerdem sollen besonders günstige Angebote preisbewusste Kunden anlocken.
Die Avid-Economy-Hotels verzichten auf das klassische Frühstück.
Durchschnittlich soll ein Zimmer gut 15 Quadratmeter groß sein und damit kleiner als die Räume anderer IHG-Marken. Zählt man den öffentlichen Bereich hinzu, kommt man auf etwa 28 Quadratmeter pro Zimmer. „Flächeneffizienz“ nennt Bowen das.
Besonders deutlich wird das beim Frühstückskonzept der neuartigen Budget-Hotels: Statt eines Frühstücksraums mit Buffetstationen gibt es das Frühstück zum Mitnehmen. Cerealien, Obst, Backwaren und Kaffee soll es nach einem „Grab-and-go-Prinzip“ geben, sagt Bowen. Auch das spart Fläche, Personal und Aufwand.
„In diesem Preissegment frühstücken einfach wenige Leute im Hotel“, berichtet der IHG-Manager. Besonders junge Reisende erwarteten kein Hotelfrühstück mehr. Sie gehen lieber in die Stadt aus zum Frühstücken in einem hippen Café. Ein Wagnis, doch Bowen stützt sein Konzept auf eine Befragung von rund 800 Hotelgästen.
„Bei Avid verzichten wir grundsätzlich auf Frühstücksbuffets.“
Kein Zimmerservice, keine Bar, dafür Check-In-Tablets.
Auch der Zimmerservice fällt in den Avid-Hotels weg. Stattdessen gibt es eine rund um die Uhr besetzte Rezeption, die den sogenannten „Marktplatz“ enthält. Hier lassen sich spezielle Frühstücksgerichte und andere Extra-Leistungen bestellen, die im Übernachtungspreis nicht enthalten sind.
Viele Prozesse sollen dabei automatisiert ablaufen, ebenso bei Ankunft und Abreise. Dem klassischen Rezeptionstresen weicht ein kleiner Check-in-Bereich. Dort stehen mit passender Buchungssoftware ausgestattete Tablets bereit, die die Gäste zum Ein- und Auschecken selbst bedienen können. Ein weiterer Schritt, um den nötigen Personalaufwand zu reduzieren, sodass es lediglich einen Front-Office-Manager dort braucht.
Eine Hotelbar werden Gäste in den Avid-Hotels ebenso vergeblich suchen – oder gerade nicht, denn in belebten Innenstädten seien Hotelgäste viel häufiger in der Hotelumgebung zum Ausgehen unterwegs, sagt Bowen.
Budget-Hotels brauchen keinen klassischen Hoteldirektor.
Konkret verspricht Bowen, dass sich ein durchschnittliches 140-Zimmer-Avid-Hotel mit nur 14 Vollzeitmitarbeitern betreiben lässt. Dabei wird die Reinigung von externen Firmen übernommen. „Das ist recht wenig“, gibt er zu. Doch weil Konferenzen und Wellness eben nicht Teil des Hotels sind, sei das durchaus realistisch.
Für den Betrieb eines Hauses braucht es außerdem keinen klassischen Hoteldirektor mehr. „Man muss nicht von anderen Hotels vorbelastet sein“, sagt Bowen. Stattdessen brauche es einen organisierten Teamplayer, der seine Belegschaft motivieren könne.
klein, aber oho: Budget-Hotel Avid, IHG, King-Room
praktisch und günstig: Grab and Go-Frühstückskonzept
Zwei Häuser auf einem Grundstück.
Für mögliche Franchisepartner nutzt die IHG-Gruppe für bestimmte Grundstücke das sogenannte „Dual Branding“. Dabei entstehen zwei Hotels verschiedener Kategorien auf einer Fläche, die vom selben Franchisenehmer betrieben werden. Besonders attraktive, große Innenstadtgrundstücke lassen sich so effizienter nutzen.
Weil ein Avid-Hotel mit 400 Zimmern zu groß für das Konzept wäre, könne man beispielsweise ein Vollhotel der Marke Holiday Inn daneben bauen, erklärt Bowen. So sollen die Economy-Hotels zudem ihren Weg aus den Gewerbegebieten in die Stadtzentren finden.
Wichtig dabei ist, beide Marken konzeptionell und baulich voneinander zu trennen. Wer den öffentlichen Bereich eines Holiday Inn besuche, habe andere Erwartungen als der Gast eines Avid-Hotels, sagt Bowen.
Franchise in einem internationalen Netzwerk.
Die IHG-Gruppe wirbt mit einem breiten Netzwerk an Partnern, die interessierten Franchisenehmern finanzielle Unterstützung bieten können. Außerdem können Partner vom konzerneigenen Buchungssystem profitieren, das laut Unternehmensangaben fünf Reservierungen pro Sekunde registriert. „Franchise ist für den Unternehmer ein sicheres System“, betont Bowen deshalb.
Mit dem kostenbewussten Konzept hofft er in den kommenden zehn Jahren so viele Hoteliers zu überzeugen, dass die Zahl der Avid-Häuser auf mindestens 50 anwachsen kann. „Geschwindigkeit ist aber nicht alles“, sagt er. Ebenso wichtig sei die verlässliche Qualität der neuen Hotels.
„Franchise mit Avid ist für den Hotelier ein sicheres System.“
Chance für den Schritt in ein neues Feld.
Avid soll die Markenfamilie der IHG-Gruppe harmonisieren und im Economy-Bereich abrunden. Jeder Gast soll so ein Angebot finden, das seinen Wünschen entspricht, wünscht sich Bowen.
Ob sich die neue Marke für Budget-Hotels gegen die Platzhirsche Motel One und Ibis durchsetzen kann, lässt sich noch nicht absehen. Doch mit dem bis ins letzte Detail preisoptimierten Konzept dürften sich viele Franchisepartner sicher fühlen – auch diejenigen, die mit der Hotelbranche bislang keine Erfahrung haben.
Wann haben Sie zum letzten Mal überlegt, welche Teile Ihres Hauses für die Gäste entscheidend sind? Haben Sie den Mut, sich von Ungenutztem zu trennen und Platz für neue Ideen zu schaffen.
Sie haben nichts zu verlieren. Sie können nur gewinnen.
Ihre

P.S.:
Wir freuen uns, dass es die Gleichstellungsdebatte gibt und wir Frauen immer öfter vorne mitgehen. Gleichwohl schreiben wir der Einfachheit halber wie aus Überzeugung, dass es kein „MitarbeiterInnen“ braucht, um weibliche Stärke zu zeigen, unsere Artikel und Beiträge im gendernonkonformen Stil. Damit möchten wir niemanden abwerten. Im Gegenteil. Besten Dank für Ihr Verständnis.
Gleich reinhören in den Podcast mit Avid-Entwickler Martin Bowen:
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